Concrete Jungle

6-Kanal-Klanginstallation · 10 Min. · 2019

Gezeigt in der Gruppenausstellung ‘Dock / Ancien Palais de Justice’, Les Brasseurs, Lüttich, 12. Januar – 2. Februar 2019


Die Arbeit

Durch ihre physischen, gesellschaftspolitischen und unmittelbaren Auswirkungen gewinnt die klangliche Lebensqualität in menschlichen Gesellschaften heute zunehmend an Bedeutung. In dieser Arbeit nutzt der Künstler Field Recording und Mischtechniken, um die Klänge seines Wohnumfelds genau abzubilden. Die Aufnahmen entstanden zwischen den Blöcken einer geplanten Wohnsiedlung in Teheran (Apadana Residential Society), die von französischen und iranischen Architekten errichtet wurde – ein Viertel, das sich baulich nie verändert, in dem nichts neu gebaut und nichts abgerissen wird. Diese Unveränderlichkeit der Gebäude und die Unmöglichkeit, unerwünschten Geräuschen auszuweichen, haben bei den Menschen, die dort lange leben und arbeiten, eine Art kollektives akustisches Gedächtnis entstehen lassen.

Die Architektur erinnert an die Bauweise der 70er-Jahre und den rohen Einsatz von Beton an den Außenflächen, ein Beispiel für Béton brut. Die Klänge stammen aus dem Gebiet zwischen dem Freiheitsplatz (Shahyad), der Autobahn Teheran–Karadsch, dem Busbahnhof und dem Flughafen Mehrabad.

Die Arbeit möchte zeigen, wie chaotische Klangsysteme schaden oder guttun können: Für Neuankömmlinge können sie äußerst störend sein, für andere sind sie Teil ihrer Identität. Um die Extreme auszuloten, konfrontiert der übersteigerte Einsatz von Lärm im mittleren Lautsprecher das Publikum mit der rauen Atmosphäre zentraler Lüftungsanlagen, während die übrigen Klänge für Stille stehen, für Vögel und für Autos in der Ferne.

Ungeachtet des privaten Charakters persönlicher Erfahrung sind diese Klänge genau die Klanglandschaften, die der Künstler mit seinen Nachbarn teilt – das, was sie ihr Leben lang in diesem Viertel gehört haben, ob zu Hause, in der Schule oder beim Spielen draußen. Einmal aufgenommen, werden sie für manche zu einem Träger von Nostalgie und Identität, etwas Unersetzlichem und Einzigartigem.

Eine zweite, 20-minütige Fassung wurde am 27. Juli 2019 bei Noise vs. Noise #2 im Studio Markof in Teheran live aufgeführt, im Rahmen des Limited Access Festival 8 (Veranstaltungsseite).

Die Ausstellung

‘Dock / Ancien Palais de Justice’ ist eine Klanginstallation und ein Hörraum von Paul Devens. Ausgangspunkt ist das Gerichtsgebäude, das Frankreich kurz vor der Unabhängigkeit Senegals im Jahr 1960 am Cap Manuel in Dakar errichtete – ein modernistischer Betonbau von Daniel Babani und Pierre Roux-Dorlut, der später zu einem Ort der Biennale Dak’Art wurde. In der Galerie zeichnen Mikrofonständer und laufendes Tonband den ursprünglichen Grundriss des Gebäudes nach und verbinden den Nachhall seiner Vergangenheit mit heute aufgenommenen Klängen.

Rund um die Themen Lebensraum und Identität – und wie sie sich verändern, wenn eine Situation im Umbruch ist – wurden 21 Klangkünstler*innen eingeladen, eine Klanglandschaft für das Projekt zu komponieren. Ihre Beiträge wurden in einem Hörraum mit Surround-Sound präsentiert, kuratiert von Cedrik Fermont und Paul Devens. Concrete Jungle war einer davon.

  • Ort: Les Brasseurs, art contemporain, Rue du Pont 26/28, 4000 Lüttich, Belgien
  • Zeitraum: 12. Januar – 2. Februar 2019, Mittwoch bis Samstag, 14–18 Uhr
  • Eröffnung: 12. Januar 2019, 18 Uhr, mit einer kurzen Rede der Kuratorin und Kunsthistorikerin Mique Eggermont und einem Konzert von Elsa M’Bala, Cedrik Fermont und Paul Devens
  • Koordination und Kuration: Les Brasseurs (Sarah Charlier, Corentin Lahaye, Jérôme Mayer, Géraldine Ungaro), Paul Devens und Cedrik Fermont
  • Technik: Frankable, Joep Hinssen, Dennis Muñoz Espandiña
  • Gefördert von: Mondriaan Fonds und Stichting Stokroos

Mit Beiträgen von

Anne Wellmer (DE/NL), Cedrik Fermont (CG/BE/DE), Christian Galarreta (PE/FR), Cilia Erens (NL), Elise ‘t Hart (NL), Elsa M’Bala (CM/DE), Eran Sachs (IL), Erdem Helvacıoğlu (TR/US), France Jobin (CA), Jett Ilagan (PH), Justin Bennett (GB/NL), Kamran Sadeghi (IR/US), Leonie Roessler (DE/NL/US), Lloyd Dunn (CZ/UK), Mike Kramer (NL), Raul Keller (EE), Robert Curgenven (AU/IE), Simon Weins (DE/GB), Stelios Manousakis (GR/NL), Soheil Soheili (IR), Zeno van den Broek (NL/DK)

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